Rezension – Das Buch der verschollenen Namen

Kristin Harmel. Der Name kommt mir bekannt vor… und dann ist es mir wieder eingefallen: Bereits 2019 habe ich ein tolles Buch der Bestsellerautorin gelesen. „Solange am Himmel Sterne stehen“ war mein erstes Buch von Kristin Harmel (Hier findest du meine Rezension). Nun habe ich den neuen Roman der amerikanischen Autorin gelesen und möchte euch natürlich nicht vorenthalten, wie ich es finde.

Inhaltsangabe

Nur knapp entkommt die Studentin Eva Abrams 1942 aus Paris, nachdem ihr Vater, ein polnischer Jude, verhaftet wurde. Eva findet Zuflucht im kleinen Bergdorf Aurignon in der unbesetzten Zone, wo sie auch den jungen Widerstandskämpfer Rémy kennenlernt.

Bald beginnt Eva, im Auftrag der Résistance Ausweispapiere für jüdische Kinder zu fälschen – doch deren wahre Identität möchte sie für eine Zeit nach dem Krieg bewahren. Zusammen mit Rémy fertigt sie verschlüsselte Aufzeichnungen an: das Buch der verschollenen Namen. Als jedoch ihre Widerstandszelle verraten wird und Rémy plötzlich verschwindet, bedeutet das Buch für sie beide tödliche Gefahr …

Vielen Dank an die Tyrolia Buchhandlung für das Rezensionsexemplar!

Meine Gedanken

Kristin Harmel hat wieder eine faszinierende und mitreißende Geschichte auf zwei Zeitebenen geschrieben, wobei Evas Leben im zweiten Weltkrieg den größeren Teil ausmacht. Eine junge und mutige Frau, die trotz ihrer Rückschläge nicht die Hoffnung verliert und alles Mögliche tut, um jüdischen Kindern die Flucht aus Frankreich zu ermöglichen.

Das erste Drittel beinhaltet einen tollen Einstieg in die Geschichte, der sofort die Neugier auf mehr weckt. Auch mit den (meisten) Charakteren konnte man schnell warm werden. Durch den angenehmen und leichten Schreibstil kann man direkt in die Geschichte eintauchen und einen spannenden Lesefluss genießen.

Das erste Kapitel spielt im Jahr 2005. Hier lernen wir Eva kennen, deren Leben sich aufgrund eines Zeitungsartikels auf den Kopf stellt und sie über sechzig Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt. Ab dem zweiten Kapitel geht es auch schon los mit der Geschichte im Jahr 1942: Die Belagerung Paris’ durch die Deutschen. Die Verhaftung von Evas Vater. Ihre Flucht in ein kleines Bergdorf südlich von Paris, wo Eva mit Remy im Auftrag der Résistance in einer kleinen Kirchenbibliothek Dokumente für jüdische Kinder fälscht, um ihnen eine Flucht aus Frankreich zu ermöglichen.

Der mittlere Teil war etwas ruhiger – hier ist nicht allzu viel passiert. Eva perfektioniert ihre Arbeit als Fälscherin. Remy, für den Eva inzwischen Gefühle entwickelt hat, verlässt Aurignon um seine Kenntnisse an der Front zu nutzen. Gleichzeitig können wir Evas inneren Konflikt und ihre Schuldgefühle miterleben und mitfühlen, denn Eva und ihre Mutter distanzieren sich immer mehr voneinander. Faiga wirft ihrer Tochter vor, dass sie ihre jüdischen Wurzeln verleugnet, die Sicherheit der Flüchtlingskinder über die Rettung ihres Vaters stellt und mit ihrer Verliebtheit in Remy ihre Zukunft aufs Spiel setzt. Anfangs konnte ich hierfür absolut kein Verständnis aufbringen, doch im Laufe der Geschichte habe ich realisiert, dass das Faigas Ausdrucksweise für ihre Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit war. Eva war unglücklicherweise der perfekte Sündenbock für alles Schlechte, was in dieser Zeit passiert ist.

Die letzten hundert Seiten hatten es dann in sich. Die Spannung, die im mittleren Teil ein bisschen gefehlt hat, kam um ein Vielfaches wieder zurück. Das Risiko erwischt zu werden, wird immer größer. Nach eineinhalb Jahren in Aurignon wird die Wiederstandszelle verraten und alle, die involviert waren, müssen flüchten. Je näher ich dem Ende des Buches kam, desto angespannter war ich und musste die letzten Seiten mit angehaltenem Atem lesen, während immer wieder meine Augen feucht wurden. Es gab mehrere Twists, die ich nicht kommen sah und die mich wie vom Blitz getroffen zurückließen.

Das Buch der verschollenen Namen hat mich unglaublich berührt und zum Nachdenken angeregt. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für dieses besondere Buch. Es gibt einen einzigen Kritikpunkt, den ich erwähnen muss: Da dieses Buch von einer wahren Geschichte inspiriert worden war, hoffte ich im Nachwort auf ein paar Hinweise zu dem historischen Hintergrund. Zumindest eine Quellenangabe wäre schön gewesen, damit man Weiteres zu der Geschichte nachlesen kann. Leider war aber nach dem letzten Satz Schluss und es gab keinerlei weiterführenden Informationen, wie es bei solchen Büchern normalerweise üblich ist. Sieht man jedoch davon ab, kann man hier mit Sicherheit das nächste Jahreshighlight in den Händen halten.

Die vier Kinder, die Eva heute gesehen hatte, waren nur ein winziger Bruchteil der Waisen, denen ihre Eltern entrissen worden waren. Was würde aus ihnen werden? Würde ihr Leben je wieder normal? War es möglich, etwas wiederaufzubauen, wenn einem nichts geblieben war?


„Wie retten wir sie alle?“, fragte sie schließlich flüsternd.


„Mit Mut, Eva“ seine Antwort kam prompt „Und ein bisschen Glaube.“

Das Buch der verschollenen Namen

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